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Die Farbe Purpur – von Phönizier und Purpurträgern

Hinweis: Werbung, unbeauftragt! Bei diesem Text handelt es sich um einen redaktionellen Beitrag, der unbeabsichtigt durchaus eine werbende Wirkung haben könnte, ohne dass ich von irgendeinem Unternehmen dafür beauftragt wurde!

In diesem Artikel geht es um das Thema Farben – spezielle der Farbe Purpur – und deren Wahrnehmung nach außen. Farben kommunizieren ohne Worte, sie erzeugen beim Betrachter Emotionen. Für die Gestaltung spielt besonders die Symbolik der Farbe eine große Rolle.

Gestaltungen, ob für ein Printprodukt oder für das Web, sollten daher stets zielgruppenorientiert sein. Um genau dies zu erreichen, ist es wichtig, die Psychologie der Farben zu kennen und zu verstehen. Deine Farben sollten also mit Bedacht gewählt werden.

Um die richtige Farbe für Dein Business zu finden, solltest Du wissen, welche Bedeutung die einzelnen Farben haben und wie der jeweilige Betrachter sie wahrnimmt.  Neben den allgemein zugesprochenen Eigenschaften geben auch die Herkunft und der geschichtliche Hintergrund Aufschluss über die Farbe und deren Charakter.

In dieser Serie werde ich Dir nicht nur die psychologische Seite näherbringen, sondern auch ein wenig die Geschichte und die Naturwissenschaften zu Wort kommen lassen. Beginnen möchte ich diese Serie mit dem wohl teuersten Pigment was es derzeit gibt, dem Purpur.

Die Quelle des blauen Purpurfarbstoffes

Geht man auf naturwissenschaftliche Entdeckungsreise um sich dem Pigment Purpur zu nähern landet man unwillkürlich bei der Physik. Diese beschreibt Purpur als die theoretische Wahrnehmung im Spektralbereich zwischen 380-420 NM.

Die Chemie wird da schon etwas konkreter. Der Chemiker Paul Friedländer bestimmte den blauen Farbstoff 1909 als 6.6 Dibromindigo. Noch handfester wird es in der Biologie.

Sie liefert uns gleich mehrere Lieferanten des Farbstoffes. Aus dem Mittelmeerraum kennt man die Purpurschnecke Hexaplex trunculus und Hanstellium brandaris. Auch die im Atlantik und in der Karibik vorkommende Nucelle lapillus liefert den begehrten Farbstoff.

Hexaplex trunkulus

Die Gewinnung des Pigments Purpur

Nur wie wird aus einer kleinen Schnecke eines der teuersten Farbstoffe? Der Herstellungsprozess wird erstmals durch Aristoteles (384 – 322 v. Chr.) und später durch Pilinus den Älteren (23 – 79 n. Chr.) beschrieben. Der grundlegende Prozess ist gestern wie heute gleich.

Den Schnecken wird die farbhaltige Hypobrandialdrüse entnommen bzw. gemolken und drei Tage in Salz eingelegt. Danach wird der Rohstoff gereinigt und in Urin auf 1/16 reduziert. Das ergibt ca. ein bis zwei Tropfen pro Schnecke. Zwischen 8000 – 10000 Schnecken, in oben beschriebener Form gemolken, ergeben 1g reines Purpur-Pigment.

Genau diese aufwendige Art der Gewinnung macht Purpur auch heute noch zu dem mit Abstand teuersten Farbstoff der Welt. 1g Purpur-Pigment kosten derzeit 2439.50 € (Quelle Kremer Pigment)

Die Purpurgerade

Aber, Streng genommen ist Purpur gar keine Spektralfarbe. Die Farbwahrnehmungen von Purpur sind nur Nuancen zwischen dem Roten und Blauen. Streng physikalisch betrachtet zwischen dem Roten und Violetten. Und diese Wahrnehmung ist von Mensch zu Mensch ganz unterschiedlich! Die Farbvalenzen bewegen sich sogar bis in den, für uns Menschen nicht sichtbaren, Ultraviolette Bereich.

Selbst Vincent van Gogh, einer der Großmeister in Sachen Farben hatte da so seine Probleme!

Das Mittelmeer hat trügerische und wechselhafte Farben. Man weiß nie genau, ist es grün oder ist es violett. Du kannst nicht mal sagen, dass es blau ist, denn im nächsten Moment schimmert es rosa oder grau.

Vincent van Gogh

Um nun diesem Dilemma etwas Herr zu werden behilft man sich seitens der Physik mit einem theoretischen Konstrukt. Der Purpur-Gerade oder auch Purpur-Linie genannt. Wie du schon weißt ist Purpur keine Spektralfarbe. Daher werden die Rezeptoren im Auge auch nicht direkt angesprochen.

Die Purpurgerade beschreibt eine imaginäre Linie vom anfänglichen Rot, wahrgenommen über die L-Zapfen im Auge bis zum sichtbaren blauvioletten Ende, wahrgenommen von den S-Zapfen im Auge.

Auf dieser Linie liegen dann alle gesättigten Nuancen, die jeder normalsichtige Mensch für sich ganz individuell unterscheidet und wahrnimmt, die aber nicht zur Menge der Spektralfarben gehört! Man kann also sagen: Die Farben der Purpurlinie sind ein Ergebnis der Farbwahrnehmung. (CIE-Normfarbtafel)

Ein Blick in die Vergangenheit

Genauso wie sich die großen Naturwissenschaften Jahrhunderte lang uneinig waren, so bestand auch bei den historischen Sprachwissenschaften keine Notwendigkeit dem Pigment Purpur einen richtigen Namen zu geben. Es war immer die Farbe der Kaiser und Könige. Die einzige sprachliche Erwähnung machten die Griechen, denn sie nannten das Land aus dem der Farbstoff kam Phönizien, Purpurland!

Erst in der jüngsten Vergangenheit formulierte Altvater Goethe, im Rahmen seiner Studien zum Thema Farbe, für den deutschsprachigen Raum den Farbnamen Violett! Das VEIL zeigen, abgeleitet aus der Farbeigenschaft Veil für Veilchen, im lateinischen auch Viola genannt ergab den Namen Violett.

Dabei begann die Geschichte um den teuersten Farbstoff bereit vor ca. 3600 Jahren. Die frühesten Funde datieren auf 1600 v. Chr. Man fand auf dem minoischen Kreta größere Anhäufungen von Purpurschnecken. Der Legende nach war der Fund des Farbstoffes ein reiner Zufall, wie so einiges in unserer Geschichte. Ein phönizischer Fischer war mit seinem Hund am Strand unterwegs. Dieser machte sich an den Schnecken zu schaffen und zerbiss diese. Der Fischer eile herbei als er merkte das der Hund ganz rote Lefzen hatte und wollte das „Blut“ abwischen. Dabei bemerkte er das diese nur gefärbt waren und zudem die Färbung auch noch Farbecht war.

Ein erstes geschichtliches Bewusstsein entwickelt Purpur im Römischen Kaiserreich. Die purpurfarbene Toga des Kaisers und die abgesetzten Schärpen der hohen Senatoren wurden seinerzeit in Purpur getönt. Nach dem Fall Roms wechselten die Monopolstellung im Mittelmeerraum, es blieb aber immer die Farbe der Kaiser und Regierenden.

1464 erhob Papst Paul II den Purpurmantel zur Amtstracht der Kardinäle. Damals scherzhaft auch Purpurträger genannt. Dies ist das Schlüsselereignis mit dem wir Purpur auch noch in heutigen Zeiten verbinden. Auch wenn durch die künstliche Herstellung in heutiger Zeit der Sonderstatus von Purpur etwas gelitten hat, geblieben ist die Wahrnehmung über die Farbe Purpur!

Die Wahrnehmung und Wirkung von Purpur

Die traditionelle Bedeutung von Farbe kann sich von der Wahrnehmung heute unterscheiden. Farbe kann außerdem sowohl positive als auch negative Assoziationen hervorrufen. Vordergründig steht Purpur für Nobles, Würde und Königlichkeit, was letztlich ihrem geschichtlichen Hintergrund geschuldet ist. Sie findet sich aber auch im Kirchenkalender als eine liturgische Farbe wieder und steht hier für die Buße. Ihr extravaganter Charakter macht sie interessant für den kreativen Sektor aber nur als Kontrast zu einer zweiten passenden Farbe. Sie steht aber auch für Emanzipation. Stellvertretend sei hier die Frauenbewegung genannt.

Bekanntlich hat eine Medaille immer zwei Seiten. Im globalen Einsatz sollte man mit Bedacht und zielgruppenorientiert mit dieser Farbe umgehen. Während in Europa der Farbe Purpur mit Folter und Kreuzigung in Verbindung gebracht wird steht sie in Vorderasien für Prostitution und in Indochina sogar für Trauer. Purpur ist eine –global gesehen- bedenkliche Farbe!

Assoziationen im Zusammenhang mit der Farbe Purpur:

Nobles, Würde, Königlichkeit, Buße, Extravagant, Emanzipation, Kreuzigung, Prostitution, Trauer, Frömmigkeit, Eitelkeit, das Modische, Unkonventionell, Unsympathisch, Magie, künstlich, Charme, zweideutig, unnatürlich, unmoralisch, Unsicherheit, Untreue, Stolz, Luxus, Altmodisch, Weiblich, Empfindsamkeit, Zweideutig, Wollust, Sexualität, Leidenschaft, Spiritualität, verführerisch, altjungferlich, verdorben, Besinnung, Demut, Introvertiert, Kurzlebig, Verschwendung, Gefallsucht, Sinnlichkeit, Geist, Gefühl, Verstand, Entsagung und Phantasie

Viele der Eigenschaften lassen sich auf die Kirche zurückführen. Purpur ist daher auch die traditionelle Farbe der Theologie. Der Jugendstil war wohl die einzige Epoche, die Purpur und Violett als Raumfarbe schätzte. Ca. 1% der Deutschen zählt Purpur zu ihrer Lieblingsfarbe, 12% dagegen lehnen diese Farbe gänzlich ab.

Wie stehst Du zu diesem Farbton?

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